KomFu – das „etwas andere“ Gesprächstraining – Bericht zum Tag der Rhetorik

Auf einer kleinen Matte stehen wir zwei einander gegenüber. Ein kurzes, konzentriertes Nicken und dann geht es los. Mein Gegenüber erzählt und ich werde mit Fragen die Geschichte zerfleddern. Bei sieben weiteren Paaren geschieht das gleiche. Nach ein paar Minuten das Signal, wir wechseln die Partner, die nächste Übung beginnt. Ein typischer Ausschnitt aus dem KomFu-Training.

KomFu? KomFu ist Kommunikations­kampf­kunst. Und das bedeutet: Üben, üben, üben. So wie Kampfsportler immer wieder einzelne Bewegungen trainieren, wird auch im KomFu trainiert. Zwei Personen stehen auf einer Matte und haben eine kurze kommunikative Aufgabe. Dabei gibt es eine Vielzahl von möglichen Settings:

  • Wer spricht hält Blickkontakt, wer zuhört schaut weg.
  • Wer zuhört hält Blickkontakt, wer spricht schaut weg.
  • Einer erzählt und der andere reagiert mit „ja“, „aha“, „ok“, Nicken usw.
  • Einer erzählt und der andere reagiert mit „nein“, „hmh“, Kopfschütteln usw.
  • Zwei sprechen miteinander und einer von beiden verändert dabei die Distanz.
  • Zwei unterhalten sich und es gibt bei jedem Sprecherwechsel 3 Sekunden Pause.

Muenster_2015Es gibt sicherlich dutzende einzelne KomFu-Übungen. Und da sich aus kommunikativen Alltagssituationen leicht weitere Übungen entwickeln lassen, ist die Anzahl unbegrenzt.

Bei allen Übungen gelten die Grundprinzipien des KomFu:

  • Jeder ist dafür verantwortlich, dass der Partner gut üben kann.
  • Der Trainer gibt den Übungspaaren Hinweise, darf aber auch jederzeit weggeschickt werden.
  • Nur üben und nicht reflektieren. – So wird sichergestellt, dass alle dranbleiben, denn es ist sehr schwer, während einer Übung vom Reflektieren wieder ins Handeln zu kommen.

Speziell für uns Sprechwissenschaftler hat Cornelius Filipski dann doch noch ein paar Phasen eingebaut, in denen wir die Methode besprechen und reflektieren.

Für den zweiten Tag der Rhetorik am 7. November 2015 ist Cornelius Filipski (Diplom-Sprechwissenschaftler und Erziehungswissenschaftler) für uns aus Marburg nach Münster gekommen. Nachdem einige von uns KomFu bereits kurz bei der DGSS-Tagung in Otzenhausen kennenlernen konnten, gab es den großen Wunsch, mit der ungewöhnlichen Methode ausführlicher zu arbeiten. Entsprechend neugierig sind die Teilnehmer und gegen Ende des Seminars haben viele schon sehr konkrete Vorstellungen, wie sie KomFu in ihre eigenen Seminare integrieren möchten.

Dabei erscheinen uns folgende Ideen und Aspekte der Methode als besonders spannend:

  • Die Dichte der Übungen ist sehr hoch. Für jeden einzelnen gibt es viel Zeit zum Üben.
  • In jeder Übung werden gezielt bestimmte Detailaspekte der Kommunikation fokussiert.
  • Aus Alltagssituationen lassen sich jederzeit neue Übungen gewinnen.
  • Da jeder viele eigene Erfahrungen macht, kann auch auf Austausch und Reflexion verzichtet werden.
  • Klare Anweisungen und Vorgaben entlasten die Teilnehmer und machen es einfach, sich auf die Übungen einzulassen.
  • Viele Übungen bilden Gegensatzpaare. Statt ‚richtiges‘ und ‚falsches‘ Kommunikationsverhalten gegeneinander zu setzen, können verschiedene Varianten erprobt und erfahren werden.

Mit einer Vielzahl an produktiven Eindrücken beschließen wir den Tag und sind gespannt auf die nächste Gelegenheit, unser KomFu-Wissen anzuwenden.

Der Tag der Rhetorik wird durchgeführt durch die Berufsvereinigung Mündliche Kommunikation NRW e.V.

 

 

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tipps and tools fürs training 2015! Und Sprechwege startet erneut den Road-Trip in das Land der PowerPoint-Visualisierung

Kaum zu glauben… in genau zwei Wochen ist es schon wieder soweit: am 30. August 2015 wird in Hamburg erneut Spannendes für alle geboten, die Lust auf lohnenswerte und breitgefächerte Anregungen in den Bereichen Seminare, Trainings und Personalentwicklung haben. tipps & tools fürs training ist wieder zu Gast im Gastwerk! Und toll ist: wir von Sprechwege sind auch wieder mit einem Workshop dabei!

Für mich ist das Veranstalten unseres Workshops auf dem Trainertag zugleich das offizielle Ende meiner dritten und voraussichtlichgrafik roadtrip letzten Elternzeit (jetzt aber wirklich!!! 🙂 ). Wie jedes Mal fiebere ich dieser ersten Veranstaltung mit einem weinenden und einem lachenden Auge entgegen.
Das Weinende, weil es für mich immer auch ein Abschied ist von der intensiven ersten Zeit mit meinem „frischgebackenen“ Baby. Und von der Pause, die ich mir ob dieses durchrüttelnden und folgenreichen Ereignisses vom beruflichen Werken gegönnt habe.
Das Lachende, weil es endlich, endlich wieder los geht! Die Seminarlust beginnt, durch die Venen zu fließen und die freudige Gewissheit, dass es DAS ist, was ich tun will, mit voller Wucht zurückkehrt.

Wie schön ist es da doch, diese „Rückkehr“ beim diesjährigen tipps & tools zu begehen. Zum zweiten Mal sind wir mit unserem Workshop „PowerPoint kreativ“ vertreten. Und auch diesmal möchten wir unsere Teilnehmer wieder einladen, uns auf einem Road-Trip durch das entdeckungsreiche Land der Visualisierungen zu begleiten. Mit spannenden, zum Teil bekannten, zum Teil neuen Stopps und Stationen…

Die amüsanten und schwungvollen Gastgeber Amelie Funcke und Axel Rachow laden wie in jedem Jahr zu vier Workshop-Blöcken ein, aus denen die Teilnehmer/innen jeweils einen Workshop auswählen können, um den Tag mit insgesamt vier Workshops zu gestalten. Bei Themen wie „Überzeugen mit und ohne Worte – Kommunikation und Körpersprache“ (SPRECH-ART, Andreas Stasche) über „Provokative Interventionen: Mit Humor den Widerstand herauslocken“ (CLEAR ENTRANCE, Gabriele Braemer) bis hin zu „Mehr Munterrichtsmethoden! Neue Methodenideen – auch für sperrige Themen!“ (ORBIUM SEMINARE, Harald Groß) dürfte für wirklich jeden etwas dabei sein und auch die vielen Stände, an denen Materialien, Literaturtipps und geistreiche Gespräche angeboten werden, machen diesen Tag erfahrungsgemäß zu einer lohnenswerten Angelegenheit!

So freuen Torsten und ich uns sehr, wenn wir vielleicht die Kurzentschlossenen unter euch Lesern Ende August in Hamburg treffen, um euch auf einen erlebnisreichen „PowerPoint-Trip“ mitzunehmen, mit euch zu schlemmen, zu lachen und nicht zuletzt einen erfahrungsgemäß reichen fachlichen Austausch zu erleben.
Auf bald im Hamburger Gastwerk! 🙂

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Elevator-Pitch: Nichts wie rein in den Aufzug!

Doppelt so viel Teilnehmer wie Stühle. Der Workshop zum Thema Elevator-Pitch stößt auf reges Interesse. Schon in der zweiten Minute werden wir zum ersten Probe-Pitch mit unserem Nachbarn aufgefordert. Für einige zu viel der Praxis: Einige Teilnehmer eilen spontan davon und die Menge lichtet sich ein wenig. Merke: Auch auf Gründermessen gibt es Menschen, die lieber nicht miteinander ins Gespräch kommen.

Die redefreudigeren Besucher der Initiale in Dortmund können beim Vortrag/Workshop zum Elevator-Pitch dann aber etliche sympathische Anregungen für den nächsten Pitch bekommen. Nils Beckmann und Pascal Biesenbach von reflaction4business sind ganz praxisnah unterwegs schaffen es, in 30 Minuten fünf Pitches unterzubringen. Drei demonstrieren sie selbst, zweimal dürfen wir tätig werden.

Elevator-Pitch, was ist das eigentlich? Gemeint ist das kurze Gespräch, in dem wir einen anderen darüber informieren, was wir so beruflich tun – und hoffentlich einen guten Kontakt knüpfen. Angeblich wurden so in den Fahrstühlen us-amerikanischer Wolkenkratzer potentielle Geldgeber angesprochen und auf Geschäftsideen hingewiesen. In Europa darf aber auch ohne Fahrstuhl gepitcht werden.

Was ist aus der Sicht von Nils und Pascal besonders wichtig?

  • Sich von anderen unterscheiden. Gerade wenn viele Kontakte in kurzer Zeit geknüpft werden sollen, also z.B. auf einer Messe, ist das die Chance, in Erinnerung zu bleiben.
  • Abstrakte Tätigkeiten bildhaft beschreiben. So stellt sich z.B. eine Unternehmensberaterin als Lotsin vor. So eröffnet Sie eine ganze Reihe von Assoziationen zu ihrer Tätigkeit und verankert sich im Gedächtnis des Gegenübers. In der  Phantasie wird das Firmenschiff schon auf neuen Kurs gebracht.
  • Die Dialogische Komponente. Wenn ich weiß, wer der andere ist und was ihn interessiert, dann kann ich meinen Pitch anpassen. Statt über meine Tätigkeit, meine Qualifikation oder mein Produkt spreche ich über den Nutzen, den meine Arbeit für das Gegenüber haben kann.
  • Präsenz und persönliche Sympathie. Damit ein positiver Kontakt entsteht muss beides passen: Interesse an der Sache und Sympathie der Person gegenüber. Auch im geschäftlichen Umfeld.

Nach 25 aufgelockerten Präsentations-Minuten mit vielen Beispielen und Demonstrationen kommen wir dann zu Runde zwei: Noch mal ein Pitch mit dem Nachbarn. Die Wiederholung ist natürlich deutlich lockerer und die Fluchttendenzen der ersten Runde sind verschwunden. Das Gespräch mit dem Werkzeughersteller neben mir nimmt prompt an Fahrt auf: Schon haben wir das Geschäftliche hinter uns gelassen und sind bei Reden im Bundestag angekommen. – Und verquatschen uns: Der nächste Vortrag hat schon begonnen und der kritische Blick der Referentin beendet unseren Plausch.

Vielen Dank an Nils Beckmann und Pascal Biesenbach für die konkreten Infos und die angenehme Atmosphäre im Mini-Workshop! Ein paar schöne Ideen kann ich gleich in den nächsten eigenen Networking-Smalltalk einfließen lassen.

Und falls jemand ein knackiges deutsches Wort für ‚Pitch‘ kennt: Immer her damit! Das suche ich nämlich schon seit Jahren!

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Persönlichkeitsentwicklung durch Kommunikation – Tag der Rhetorik 2014

Klaus Lemke: Ein Held oder ein Halsabschneider? Die widersprüchliche Biografie des Magdeburger Unternehmers bietet reichlich Diskussionsstoff. Er steht im Mittelpunkt von ganz verschiedenen Kurzvorträgen, die die Teilnehmer des ersten Tags der Rhetorik vorbereitet haben: Ein Gewerkschaftsführer ruft zum Protest gegen Lemke auf. Ein alter Freund würdigt ihn auf seinem sechzigsten Geburtstag. Ein Bürgermeister muss auf Distanz gehen zu Lemkes Stasi-Vergangenheit. Aber: Klaus Lemke und sein Leben sind frei erfunden. Eine Erfindung zu didaktischen Zwecken. Denn die völlig verschiedenen Reden über ihn illustrieren einen wichtigen Merksatz für die Rede und Gesprächsvorbereitung:

Als wer spreche ich zu wem aus welchem Anlass und mit welchem Ziel?

Tag der Rhetorik 2014

Unser Referent Hartwig Eckert vertritt die These, dass diese Fragen bei der Vorbereitung häufig vernachlässigt werden. Wer aber nur die Inhalte vorbereitet und die Situation in den Hintergrund treten lässt, der wird allenfalls mittelmäßige Ergebnisse erzielen. Im Feedback zu unseren Vorträgen geht es daher in erster Linie darum, ob und wie wir den kommunikativen Anforderungen der Situation gerecht geworden sind. Wir merken: Auch für Rhetorik- Profis gibt es hier noch einiges zu verbessern.

Neben den sogenannten 4 W’s beschäftigen wir uns mit zwei weiteren zentralen Fragen aus Hartig Eckerts neuesten Büchern:

Persönlichkeitsentwicklung durch Kommunikation geht davon aus, dass unser Handeln und Verhalten unsere Persönlichkeit prägt. Handeln und Verhalten aber ist veränderbar: Wir können neue Muster ausprobieren und neue Gewohnheiten etablieren. Das hat – so Eckert – Einfluss auf unsere Persönlichkeit. Wir lernen und wir ändern uns. Oder, wie es unser Referent durch ein Beispiel erläutert: Wodurch lernt ein Kind Dankbarkeit? Dadurch dass es immer wieder angehalten wird, sich zu bedanken.

Den Zusammenhang von Kommunikation und Persönlichkeit diskutieren wir insbesondere anhand unserer Vorstellungsrunde. Die Vorstellungen einiger Teilnehmer werden aufgezeichnet und besprochen. Das Feedback geht dabei sehr in die Tiefe. Es kommen Aspekte zur Sprache, über die sonst beim Feedback oft hinweggesehen wird. Phänomene wie Sprechlacher, Klicks oder der humorvolle Umgang mit Widersprüchen werden benannt, situativ eingeordnet und ihre möglichen Wirkungen werden besprochen. Im wertschätzenden und pointierten Feedback gibt es für etliche Teilnehmer große Aha-Effekte.

So vergeht der erste Tag der Rhetorik in der Studiobühne in Münster wie im Fluge. Die anwesenden bmk-Mitglieder ziehen ein sehr positives Fazit. Damit ist klar: Der Tag der Rhetorik wird fortgesetzt und zum neuen, regelmäßigen Herbsttermin der bmk.

 

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SprechKunst als PerformanceKunst (DGSS-Tagung 2014)

Ein großer, offener, leerer Bühnenraum. Vorne sitzt eine Frau am Boden über einen Text gebeugt. Ein literarischer Bericht zum ersten Weltkrieg. Von hinten schleichen sich etliche Gestalten an die Sprecherin an: Schüchtern? Neugierig? Bedrohlich? Die Sprecherin hält inne und schaut sich um. Schon verharren die Gestalten. Haben Sie sich jemals bewegt?

Dies ist einer von vielen fesselnden Bühnenmomenten der letzten DGSS-Tagung in Bochum. Unter dem Titel SprechKunst als PerformanceKunst wird diesmal ein ungewöhnliches Tagungskonzept erprobt. Zuerst wird 1 1/2 Tage lang ein neun verschiedenen Workshops gearbeitet. Dann gibt es einen Tag Bühnenprogramm: Aufführungen, Performances, Einblicke in die Probenarbeit.

Meine persönlichen Höhepunkte:

  1. P1010165Die Aufführung/Performance von Xenia Multmeier. Inspiriert vom Fluxus-Begriff ist eine Performance entstanden, die um Borges‘ Bibliothek von Babel kreist. Darum spinnt sich ein Gewebe aus Klang-, Bild- und Textassoziationen. Das Bühnengeschehen fasziniert auch durch seine perfekte Choreografie. Nach nur 1 1/2 Tagen gemeinsamer Arbeit ausgesprochen beachtlich. Dennoch enthält die Aufführung zahlreiche offene Momente: Noch kurz vor der Aufführung wird mein Sitznachbar nach einer Szene aus seinem Lieblingskrimi gefragt. Zehn Minuten späten begegnen mir die gefüllten Tomaten, die der Kommissar zur Beruhigung isst auf der Bühne wieder.
  2. Der Workshop von Hans-Martin Ritter, an dem ich selbst teilnehmen durfte. In unserem Workshop experimentieren wir mit Textfragmenten von Shakespeare. Fast die ganze Zeit verbringen wir damit, einfach gemeinsam mit dem Textmaterial zu improvisieren und zu spielen. Zwischendurch taucht in meinem Kopf die Frage auf: „Sollten wir nicht irgendwann noch eine Aufführung vorbereiten?“ Doch dann fügen sich die Improvisationen und Experimente mit einem Mal zu einem zusammenhängenden Ganzen. Sogar ein assoziativer Handlungsfaden wird erkennbar. Mir bleibt besonders die spielerische und entspannte Leichtigkeit in Erinnerung, mit der wir gemeinsam gearbeitet haben.
  3. Sarah Gieses Workshop zum Thema physical theatre. Offiziell wird ein Ausschnitt aus dem Probenprozess, also ein Zwischenschritt der Arbeit gezeigt. Die Darstellung ist aber derart ausdrucksvoll, dass sie für mich als als ‚fertige‘ Bühnenperformance durchgehen könnte. Insgesamt zehn Personen füllen die Bühne mit Textfragmenten und Bewegungsabfolgen. Die Darsteller sind gleichzeitig präsent und ausgesprochen individuell in ihrer Ausdrucksweise. Aus Sarahs Workshop stammt auch die zu Anfang geschilderte Szene.

Neben Workshops und Aufführungen ist die DGSS-Tagung natürlich auch das große Jahrestreffen der Sprecherzieher. Ein großes Wiedersehen mit vielen wunderbaren Menschen, die man viel zu selten sieht. Auch das Sprechwege-Team ist diesmal (fast) komplett vor Ort. Sogar mit Alexander Roggenkamp, der aus Athen vermutlich die weiteste Anreise aller Tagungsteilnehmer hatte.P1010181

Annette Mönnich als Tagungsorganisatorin tut alles, um für eine gute Atmosphäre zu sorgen. So kehren wir nach 2 1/2 viel zu kurzen Tagen sehr herzlich und mit Unmengen an Bühnenanregungen wieder aus Bochum zurück.

 

 

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Glaubwürdigkeit in der Kommunikation

Glaubwürdig wirken – das steht für viele Sprecher weit oben auf der Wunschliste. Aber was genau ist mit Glaubwürdigkeit eigentlich gemeint? Und vor allem: Was genau kann und soll ich im Gespräch tun, damit andere mich als glaubwürdig einschätzen?

Gestern hatte ich das Glück, auf dem Kongress der Gesellschaft für Angewandte Linguistik in Marburg einen Vortrag zu diesem Thema zu hören. Martha Kuhnhenn hat sich damit beschäftigt, welche Gesprächsstile Politiker nach außen hin glaubwürdig wirken lassen.

Erster Schritt dazu: Überlegen, was eigentlich zu Glaubwürdigkeit dazugehört:

  1. Sachkompetenz – Wer glaubwürdig wirken möchte, sollte so wirken, als würde er etwas von der Sache verstehen über die er spricht. (Soweit das Offensichtliche…)
  2. Sympathie und soziale Einbettung – statt sozialer Einbettung könnte man auch sagen: Tickt der Sprecher so, wie ich ticke? Ist er gefühlt ‚einer von uns‘?
  3. Verlässlichkeit und Reputation – Was hat jemand erreicht und welche Erfolge hat er zu verbuchen?
  4. Verständlichkeit – Wie verständlich drückt sich ein Sprecher aus?

Wir sehen: Zu diesen Merkmalen gehört natürlich mehr als eine bestimmte Art der Gesprächsführung. Ein Sprecher sollte zum Beispiel eine bestimmte Sachkompetenz erworben haben und bestimmte Erfolge vorzuweisen haben. Aber: Diese Stärken sollten auch kommuniziert werden. Wenn Sie nicht nach außen hin sichtbar sind, können sie nicht zur Glaubwürdigkeit beitragen.

Deshalb der zweite Schritt: Was tun Sprecher, um die vier Faktoren der Glaubwürdigkeit zu kommunizieren? Martha Kuhnhenn hat hier eine sehr umfassende Liste von Möglichkeiten gesammelt. Die Bandbreite reicht von ‚Auf Experten verweisen‘ über ‚Emotionen zeigen‘ und ‚Eigene Erfolge thematisieren‘ bis hin zu ‚Beispiele geben‘.

Spannend wird es, weil Martha Kuhnhenn untersucht hat, welcher der vier Faktoren am wirksamsten ist, um als glaubwürdig eingeschätzt zu werden. Im Bereich der Politik gibt es ziemlich deutliche Hinweise auf zwei Gewinner: Soziale Einbettung und Verständlichkeit sind wirksamer als Sachkompetenz und Reputation!

Offen ist die Frage, ob das auch außerhalb der Politik gilt. Hier springen die Anwendungsmöglichkeiten geradezu ins Auge:

  • Der Experte, der in seinem Vortrag vor lauter Sachkompetenz nicht auf die Verständlichkeit achtet – und sich vielleicht wundern muss, warum die Hörer ihm nicht glauben.
  • Der Sprecher, der meint, dass es unangebracht ist, eigene Emotionen zu zeigen, obwohl ihn das – in Maßen eingesetzt – glaubwürdiger erscheinen lassen könnte.
  • Jemand der gerne per ‚man‘ spricht und so die Sachkompetenz betont. Statt per ‚du‘, ‚Sie‘ oder ‚wir‘ lieber die soziale Einbettung zu betonen.

Hoffentlich bleibt Frau Kuhnhenn dran an diesem spannenden Thema!

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tipps & tools fürs training in Hamburg! Mit Sprechwege und “PowerPoint kreativ”

Viele Jahre lang waren wir als Teilnehmende dabei – in diesem Jahr, pünktlich zum 10-jährigen Jubiläum von „tipps and tools fürs training“, ist es endlich soweit: wir wirken auch als Referenten mit! Als ich die offizielle Ankündigung auf der bekannten tipps & tools-Postkarte sah, wurde mir im ersten Moment schon etwas mulmig zumute. Wow – wir als Workshop-Anbieter bei tipps & tools… Doch dieses mulmige Gefühl ist mittlerweile von einer aufgeregten Freude vertrieben worden, diesen Tag miterleben und diesmal sogar mitgestalten zu dürfen!

IMG_20130901_090547Am 31. August 2014 öffnet das Gastwerk in Hamburg wieder seine Türen für alle, die Lust auf Ideen und Anregungen im Bereich Seminare, Training und Personalentwicklung haben.  Amelie Funcke und Axel Rachow laden als erfahrungsgemäß exzellente Gastgeber zu einem reichhaltigen und spannenden Programm aus vier Workshop-Blöcken ein. Die Teilnehmenden dürfen aus jedem dieser Blöcke einen Workshop auswählen, so dass jeder Mitmachende die Chance erhält, vier Workshops am Tag zu besuchen und viele neue Ideen mit nach Hause zu nehmen.

Und wir von Sprechwege? Wir sind vertreten mit dem spannenden Thema „PowerPoint kreativ“.

Wir finden nämlich, dass gute Ideen gute Visualisierungen verdienen. Deshalb wird es in unserem Workshop darum gehen, den Präsentationen unserer Teilnehmer eine persönliche Note zu geben und Folien – jenseits von Programmvorgaben – klar, mitreißend und lebendig aufzubauen. Wir sind überzeugt: PowerPoint kann Spaß machen! Und das möchten wir unseren Teilnehmern zeigen.

Aber wie immer wird es auf dem tipps & tools-Methodentag nicht nur Workshops geben. Stände, an denen Materialien, Bücher und passgenaue Angebote ausgestellt werden, laden zum Stöbern und Ausprobieren ein. Am Sprechwege-Stand wird sich – wie auch in unserem Workshop – alles um das Thema Visualisierung drehen.

So freuen wir uns auf anregenden Austausch mit allen, die Zeit und Lust haben, vorbeizukommen! Vielleicht sehen wir uns ja am 31. August 2014 in unserem Workshop und/oder auf ein Gespräch bei Kaffee und leckeren Snacks in der tollen Atmosphäre des Hamburger Gastwerks!

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„Sandsäckchen oder Seil“ – Tag der Stimme am 8. März 2014 mit Regina Toth

Einsatz von Materialien im Sprech- und Stimmbildungsunterricht. – Mit diesem Thema hat Regina Toth offenbar genau das Interesse der bmk-Mitglieder getroffen. 22 Teilnehmer haben sich für den Tag der Stimme 2014 angemeldet. Vermutlich ein Rekord für bisherige bmk-Veranstaltungen.
Regina Toth ist Atem, Stimm- und Sprechlehrerin, Logopädin und Lehrlogopädin. Unter anderem arbeitet Sie für die Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart und das Staatstheater Pforzheim. Außerdem ist Sie Gründerin des Odem-Instituts.

Korken und Bälle

Korken: klar – aber was hat es mit den Bällen auf sich?

„Sandsäckchen oder Seil“ ist die Überschrift der Veranstaltung. Als wir morgens in der Studiobühne ankommen, erwartet uns aber noch viel mehr: Balancierscheiben, Holzstäbe, Thera- und Deuserbänder, Luftballons, Bälle, Federn, Tröten, Papprollen, usw. usf. Sogar ein echter Bogen wartet auf seinen Einsatz. Regina hat bereits eine riesige Menge an Materialien an vier Stationen im Seminarraum verteilt. So bleibt beim Ankommen das Kaffee-Buffet zunächst verwaist. Die Materialien sind für die meisten von uns viel spannender…
Sehr bald dürfen wir dann selbst ausprobieren: Anhand der vier Funktionskreise Tonus, Atmung, Stimme und Artikulation arbeiten wir uns durch die Materialien. Wir probieren aus, sprechen Texte, vergleichen Höreindrücke vorher und nachher und reflektieren die Anwendung im Seminar und in der Einzelarbeit.
Nach und nach erleben wir, welche Vorteile die Arbeit mit Materialien hat:

  • Sie motivieren Klienten und Teilnehmer zum Ausprobieren. (Was bei uns wunderbar funktioniert.)
  • Teilnehmer können das für sie passende Material auswählen. Mache ich eine Bodenkontakt-Übung lieber mit einem Tennisball, einem Igel- oder einem Golfball, oder sogar mit einem Körnerkissen?
  • Die Aufmerksamkeit der Teilnehmer wird auf das Material gelenkt. Wer eine Feder pustet achtet auf die Feder. So wird die Aufmerksamkeit zunächst weggelenkt von der Beobachtung des eigenen Körpers und dem krampfhaften Versuch, eine Übung ‚richtig‘ auszuführen.
  • Teilnehmer können zu Hause mit Material üben. Das ist oft motivierender als Übungen ohne Material.

Den ganzen Tag über herrscht eine sehr entspannte Workshop-Atmosphäre. Teilnehmer experimentieren zu zweit oder in kleinen Gruppen mit den verschiedenen Materialien. Andere machen eine kurze Kaffeepause und tauschen sich über Neuigkeiten aus. Regina als Workshopleiterin ist mit ihrer Aufmerksamkeit überall, gibt Hilfestellungen und beantwortet Fragen. Zwischendurch treffen wir uns immer wieder im Plenum zur Reflexions- und Fragerunde.
Wir schließen den Tag mit einem kurzen Fazit jedes einzelnen. Viele von uns haben schon konkrete Pläne, welche Materialien Sie beim nächsten Stimmtraining einsetzen werden. Mit etlichen neuen Ideen und mit spielerisch guter Laune machen sich unsere weit angereisten Teilnehmer wieder auf den Heimweg.

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Schwierige Elterngespräche erfolgreich meistern – ein Überblick

Was steht eigentlich drin, in so einem Buch über schwierige Elterngespräche? Für alle, die gerne wissen wollen, um was es ungefähr geht, gibt es hier eine kleine Übersicht:

  • ProblemsichtIMG_20140221_170522
    Was macht Elterngespräche eigentlich ’schwierig‘?
  • Typen von Gesprächen
    Ein Fünf-Minuten-Gespräch am Elternsprechtag unterscheidet sich natürlich stark von einem ausführlichen Beratungsgespräch.
  • Was ist eigentlich Beratung?
    Viele Gespräche lassen sich konfliktfreier und erfolgreicher gestalten, wenn Lehrer in die Rolle des Beraters schlüpfen.
  • Rahmenbedingungen für ein gelungenes Gespräch
    Manchmal sind es die Kleinigkeiten, die über Erfolg oder Misserfolg eines Gesprächs entscheiden.
  • Gesprächsphasen
    Wichtige Anliegen sollte man strukturiert und zielgerichtet angehen. Die Gesprächsphasen helfen dabei, dass am Ende des Gesprächs auch wirklich etwas herauskommt.
  • Konflikten vorbeugen – mit Konflikten umgehen
    Viele Konflikte im Elterngespräch eskalieren versehentlich. Wer unnötiges Gegeneinander vermeidet kann bei besserer Stimmung schneller zur Lösung kommen.
  • Gesprächstechniken
    Wie kann ich Gespräche zielgerichtet lenken? In diesem Kapitel gibt es besonders viele Übungen zum Ausprobieren.
  • Unterstützung holen
    Wer kann mir weiterhelfen, wenn ich alleine mit Eltern nicht mehr weiterkomme?
  • Häufige Typen schwieriger Eltern
    und wie man mit Ihnen umgehen kann.

Außerdem sind natürlich noch viele Kopiervorlagen mit dabei (auch auf CD) und für diejenigen, die Themen gerne vertiefen, ein umfangreiches Literaturverzeichnis.
Insgesamt gibt es viele konkrete Beispiele und Tipps, die wir in unseren Fortbildungen an Schulen gesammelt bzw. erprobt haben.

 

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Physical Theatre und Sprecherziehung – bmk-Tagung Januar 2014

Wie körperlich ist Ästhetische Kommunikation?
Physical Theatre und Sprecherziehung

Zwölf bmk-Mitglieder sind zu Sarah Gieses Fortbildung zum Thema physical theatre zusammengekommen. Veranstaltungsort ist zum ersten Mal die vorübergehende Studiobühne der Uni Münster. Also der perfekte Rahmen für einen Theaterworkshop.

Sarah Giese ist Sprecherzieherin (DGSS) und besonders zu Hause im Bereich ästhetische Kommunikation: Sie arbeitet u.a. als Sprecherin in Fernsehen und Hörfunk und als Stückeschreiberin beim preisgekrönten Jugendtheater Cactus.

Love and War - Cactus Junges Theater

Love and War – Cactus Junges Theater

Bevor es richtig losgeht, stöbere ich ein wenig durch die Bücher und Kopien, die Sarah bereitgelegt hat. In einem Buch über physical theatre bleibe ich prompt an folgender Überschrift hängen: „Was ist physical theatre? (Und warum wir es hassen, diese Frage zu beantworten)“. Eine gute Einstimmung auf die kommende Fortbildung, denn es stellt sich heraus, dass physical theatre zwar sehr schwer zu beschreiben aber sehr gut zu erleben ist.

Unsere Referentin hält sich daher nur kurz mit einer theoretischen Einführung auf. Grob lässt sich sagen, dass es im physical theatre darum geht, den Körper als Ausdrucksmittel für theatrale Inszenierungen zu nutzen. Dabei ist die Methode jedoch sehr offen: Der Körper kann zum Hauptausdrucksmittel werden, aber auch als ein Medium im ‚klassischen‘ Sprechtheater dienen. „Bewegungstheater für Nichttänzer“ lautet Sarahs Kurzformel.

Jetzt heißt es ausprobieren. Die folgenden Stunden sind wir mit Körperübungen beschäftigt. Zunächst ohne und später mit Text. Um zumindest einen ungefähren Eindruck zu vermitteln zwei kurze Beispiele:

Jeder wählt einen alltäglichen Bewegungsablauf aus. Dieser wird neutral, also ohne ‚Haltung‘ so lange ausgeführt, bis er sich automatisiert. Im nächsten Schritt gibt Musik einen Rhythmus für die Bewegung vor. Dann wird in Stufen die Intensität der Bewegung gesteigert. Faszinierend daran: Die Bewegungen sind sehr schnell von der Alltagshandlung entfremdet und wirken abstrakt. Dennoch sind alle Darsteller in der Situation präsent. Die Bewegungen wirken nie ‚gemacht‘ oder gespielt. Obwohl alle ‚neutral‘ gestartet sind, ergibt sich beim Betrachten eine Vielzahl an Assoziationen und Bedeutungen.

Später arbeiten wir mit einem Dialog. Nach jedem Wortwechsel verändern die Spielpartner ihr Nähe-Distanz-Verhältnis, gehen also z.B. einen Schritt aufeinander zu. Im nu ergibt sich aus dem so geprobten Text ein Beziehungs- und Emotionsgeflecht der Figuren. Es bieten sich Bedeutungen und Inszenierungsmöglichkeiten an, die bei reiner Textlektüre verschlossen geblieben wären.

Fazit

Vermutlich hat jeder Teilnehmer ganz eigene Erlebnisse mit unserer Arbeit gemacht. Deshalb bleibt mein Fazit rein subjektiv. Für mich ist spannend am physical theatre, wie es die Übungen erlauben, ohne Planung und Bewertung zu Bewegungen zu kommen. Dadurch entsteht nach Innen ein Flow-Erlebnis mit Konzentration auf den Augenblick. Nach außen entsteht ein sehr präsenter und natürlicher Körperausdruck, der überraschende Anknüpfungspunkte für Text- und Bühnenarbeit bietet.

Nach 6 Stunden kann ich die Ausgangsfrage „Wie körperlich ist Ästhetische Kommunikation?“ für mich klar beantworten: „Sehr!“

 

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